Die Landkreisverwaltung kommt in ihrer Stellungnahme zur geburts- und kindermedizinischen Versorgung und der dazugehörigen Präsentation zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Die kinder- und jugendärztliche Versorgung im Landkreis sei insgesamt gut und stabil. Für den Planungsbereich Weißeritzkreis wird ein Versorgungsgrad von 112,9 Prozent genannt, für den Planungsbereich Sächsische Schweiz sogar 181,7 Prozent. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen seien beide Bereiche für Neuzulassungen gesperrt. Außerdem lägen keine Patientenbeschwerden vor. Auf dem Papier klingt das nach Entwarnung. Doch deckt sich diese Einschätzung auch mit der Realität vieler Familien in Freital? Genau diese Frage stellt Claudia Mihaly-Anastasio in einem aktuellen Videobeitrag der Konservativen Mitte. Sie bringt auf den Punkt, was viele Eltern in Gesprächen immer wieder berichten: „Wir haben zu viele Kinderärzte in Freital – das jedenfalls behaupten die Verantwortlichen.“ Und sie ergänzt: „Das widerspricht eigentlich dem, was mir sehr oft in letzter Zeit passiert, dass ich immer wieder gefragt werde: Kennst du noch einen Kinderarzt, der Kinder aufnimmt? Früher wurde ich gefragt, wer der Beste ist.“
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Rechnerische Versorgung ist nicht automatisch reale Versorgung

Das Problem liegt auf der Hand: Eine statistische Überversorgung in einem großen Planungsbereich bedeutet nicht automatisch, dass Familien vor Ort tatsächlich problemlos einen Kinderarzt finden. Der ehemalige Weißeritzkreis ist groß. Wenn Versorgung rechnerisch über ein weites Gebiet betrachtet wird, können lokale Engpässe schnell verdeckt werden. Wer mit einem kranken Kind einen Arzttermin braucht, fragt nicht nach einem Versorgungsgrad. Er braucht eine Praxis, die erreichbar ist, die neue Patienten aufnimmt und die im Ernstfall auch kurzfristig helfen kann. Gerade junge Familien, Neugeborene und Eltern mit kleinen Kindern sind darauf angewiesen, dass Versorgung nicht nur theoretisch vorhanden ist, sondern praktisch funktioniert. Claudia Mihaly-Anastasio fragt deshalb direkt in die Bürgerschaft hinein: „Wie empfindet ihr das, Freitaler? Haben wir zu viele Kinderärzte? Habt ihr problemlos einen Platz bei einem Kinderarzt bekommen? Sei es mit eurem Neugeborenen oder mit eurem Kind, was einfach krank ist. Wo geht ihr hin? Fahrt ihr nach Dresden? Fahrt ihr nach Pirna?“
Nach der Schließung der Kinderklinik darf die Debatte nicht enden
Seit der Schließung der Kinderklinik, der Geburtshilfe und der Gynäkologie am Krankenhaus Freital macht sich die Konservative Mitte für eine bessere medizinische Versorgung der Familien im Landkreis stark. Der Kreistag hatte auf Initiative der Konservativen Mitte eine Prüfung von Lösungsansätzen angestoßen. Die nun vorliegende Stellungnahme zeigt zwar einzelne Ansätze auf, kommt aber zugleich zu dem Schluss, dass objektiv keine Versorgungsdefizite erkennbar seien. Genau hier setzt die Kritik der Konservativen Mitte an. Denn wenn Bürger immer wieder berichten, dass sie keinen Kinderarzt finden, wenn Eltern mit ihren Kindern nach Dresden oder Pirna ausweichen müssen und wenn Neugeborene keinen wohnortnahen Platz in einer Praxis bekommen, dann darf man nicht einfach mit dem Hinweis auf Durchschnittswerte zur Tagesordnung übergehen. „Diese Fragen stelle ich mir andauernd“, sagt Mihaly-Anastasio, „weil, wie gesagt, die Verantwortlichen sagen: Wir haben zu viele.“
Freital entwickelt sich
Freital entwickelt sich weiter. Es entstanden und entstehen neue Wohngebiete, neuer Wohnraum, junge Familien ziehen zu. Das ist gut für unsere Stadt und gut für unseren Landkreis. Doch wenn Familien willkommen sind, muss auch die Infrastruktur stimmen. Dazu gehören Kindergärten, Schulen, Verkehrsanbindung – und eben auch eine verlässliche medizinische Versorgung für Kinder. Claudia Mihaly-Anastasio bringt diesen Widerspruch klar auf den Punkt: „Wir bauen Wohngebiete, wir bauen neuen Wohnraum, wir freuen uns über Zuzug und trotz alledem scheinen die Bedürfnisse einfach mehr zu sein.“ Wer Freital als Wohn- und Lebensort stärken will, muss die Bedürfnisse von Familien ernst nehmen. Dazu gehört auch, genau hinzuhören, wenn Eltern von Problemen berichten. Statistische Werte dürfen nicht zum Ersatz für die Wirklichkeit vor Ort werden.
Bürgermeinungen sind jetzt wichtig
Die Konservative Mitte will deshalb die Erfahrungen der Bürger sammeln, um ein möglichst realistisches Bild der tatsächlichen Versorgungslage zu erhalten. Wenn es keinen Bedarf gibt, muss man das wissen. Wenn es aber sehr wohl Engpässe gibt, müssen diese sichtbar gemacht werden. Nur dann kann gegenüber Landkreis, Kassenärztlicher Vereinigung und weiteren Verantwortlichen gezielt gehandelt werden. „Eure Meinung dazu interessiert uns“, sagt Claudia Mihaly-Anastasio im Video. „Schreibt uns bitte in die Kommentare, wie ihr das empfindet.“ Und weiter: „Damit wir aber handeln können, müssen wir wissen: Wo ist der Bedarf oder gibt es einen Bedarf?“
Wir bleiben dran
Die Konservative Mitte wird das Thema nicht loslassen. Nach der Schließung zentraler medizinischer Angebote in Freital darf nicht der Eindruck entstehen, dass rechnerische Versorgung automatisch bedeutet, dass vor Ort alles in Ordnung ist. Es geht um Kinder. Es geht um Eltern. Es geht um junge Familien, die in Freital leben, bleiben oder neu hierherziehen wollen. Und es geht um die Frage, ob unser Landkreis die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nimmt. Deshalb unser Aufruf: Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen. Haben Sie problemlos einen Kinderarzt gefunden? Nimmt Ihre Praxis noch neue Patienten auf? Mussten Sie nach Dresden, Pirna oder in andere Orte ausweichen? Schreiben Sie uns Ihre Rückmeldung gern auch als Email.
Youtube-Video
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