
Am 4. Dezember 2025 haben Eltern vor dem Freitaler Rathaus gegen die Schließung von Kitas demonstriert. Anlass war die Bedarfsplanung, die im Stadtrat beraten wurde (zu den Sitzungsunterlagen im Bürgerinformationssystem). In einem Video-Statement nimmt Stadträtin Claudia Mihaly-Anastasio dazu Stellung und macht deutlich: Nicht Freital ist das Problem, sondern eine Politik, die Familien seit Jahren im Stich lässt.
„Am 4. Dezember war hier genau auf diesem Platz vor unserer Stadtratssitzung eine Demonstration von Eltern“, beschreibt sie die Situation vor Ort. Auf der Tagesordnung stand die Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten in der Stadt. Ihre nüchterne Feststellung dazu lautet: „Kita Bedarfsplanung ist meistens nie lustig.“
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Demografischer Einbruch und finanzielle Realität

Im Zentrum steht eine einfache, aber harte Wahrheit: Es gibt deutlich weniger Kinder in Freital. Mihaly-Anastasio erinnert daran, „dass sich die Kinderzahlen in Freital in den letzten 6 Jahren halbiert haben“ und „dass wir enormen Überschuss an Kitaplätzen haben und wir dadurch gezwungen sind Kitas zu schließen.“
Würde man so tun, als könne alles unverändert weiterlaufen, hätte das spürbare Folgen für alle Familien. Gebäudeunterhaltung, Grünpflege, Sanierungen und Versorgung verursachen Kosten, unabhängig davon, ob eine Gruppe voll oder nur halb belegt ist. „Die Kosten müssten auf alle Eltern umlegt werden, das wäre auch unfair“, gibt sie zu bedenken. Anbieter von Essen müssten höhere Preise verlangen, weil sie weniger Kinder versorgen.
Für die Stadträtin ist klar, dass niemand in Freital sich Kitaschließungen wünscht. Entscheidungen werden nicht aus Bequemlichkeit getroffen, sondern weil es die Fakten erzwingen. Sie verschweigt nicht, dass sie das persönlich trifft. „Ich bin selber Mama von vielen Kindern und bin auch schon Oma“, sagt sie. Gerade deshalb wisse sie, wie sehr es schmerzt, wenn Eltern den Eindruck haben, etwas Wertvolles zu verlieren.
Geschlossen werden sollen zwei Kitas, die beide früher oder später aufgrund der baulichen Situation (hoher Investitionsbedarf, Containerbauweise) nicht mehr weiterbetrieben werden könnten. Die Kita „Mühlenwichtel“ schließt aufgrund der geringen Auslastung bereits im Sommer 2026, die Kita „Am Windberg“ schließt mit mehr Vorlauf im Sommer 2028.
Freital investiert in Familien
Besonders deutlich reagiert Mihaly-Anastasio auf den Vorwurf, Freital sei kinderunfreundlich. „Was mich ein bisschen geärgert hat in der Berichterstattung: zu sagen, dass Freital kinderunfreundlich wäre“, erklärt sie. Das nehme sie auch persönlich, weil sie die Entwicklung der Stadt seit Jahren mitverfolgt und mitgestaltet.
Sie verweist auf zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass Freital Familien bewusst stärkt. „Zeigt mir bitte eine Stadt mit dieser Spielplatzvielfalt wie wir sie haben“, fordert sie. „Zeigt mir die Stadt mit einer Trägervielfalt, wie wir sie haben. Zeigt uns eine Stadt, wo es Begrüßungsgeld gibt für Kinder.“ Dazu kommen Freizeit-, Kultur und Bildungseinrichtungen, eine breite Vereinslandschaft, unterschiedliche pädagogische Konzepte und kontinuierliche Investitionen in Schulen und Kitas.
Vor diesem Hintergrund findet sie den Vorwurf, Freital sei kinderfeindlich, unangebracht. „Also ich finde es fast unverschämt, sowas zu schreiben.“ Freital spare nicht an Kindern, sondern müsse mit den Folgen einer Entwicklung umgehen, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.
Ein kinderunfreundliches Land als eigentliche Ursache

Sie schildert das sehr konkret: „Meine Kinder stehen auch vor mir und sagen: in dieses Land, in dieser Unsicherheit setzen wir keine Kinder mehr in die Welt.“ Diese Haltung ist aus ihrer Sicht kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer politischen Großwetterlage, in der Familien nicht die Priorität haben, die sie bräuchten.
Hohe Lebenshaltungskosten, steigende Abgaben, ständige gesetzliche Veränderungen, Angst vor wirtschaftlichen Krisen und internationaler Unsicherheit, dazu fehlende Verlässlichkeit in der Familienpolitik: All das summiert sich zu einem Klima, in dem sich viele Paare bewusst gegen Kinder entscheiden. Wenn dann über Jahre hinweg immer weniger Kinder geboren werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Kitas leerer werden, Gruppen zusammengelegt und Standorte aufgegeben werden müssen.
Kurz gesagt: Kita-Schließungen sind nur das sichtbare Symptom. Die wahre Ursache ist ein Land, das jungen Familien zu wenig Sicherheit, Wertschätzung und echte Unterstützung bietet.
Verantwortung vor Ort, Forderungen nach oben
Trotz aller Kritik an Bund und Land macht Mihaly-Anastasio deutlich, dass der Stadtrat seine Verantwortung für die gesamte Stadt trägt. „Entscheidungen müssen getroffen werden zum Wohle der ganzen Stadt, und wir als Stadträte sind dafür verantwortlich“, betont sie.
Das bedeutet für sie Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern. Wenn die Kinderzahlen massiv sinken, kann Freital nicht dauerhaft so viele Einrichtungen mit der bisherigen Kapazität finanzieren. Würde man das dennoch versuchen, müssten an anderer Stelle Leistungen reduziert werden, etwa bei Schulen, Feuerwehr, Straßen oder Jugendarbeit. Das träfe am Ende wieder Familien und Kinder, nur weniger sichtbar.
Gleichzeitig fordert sie einen klaren Kurswechsel auf Landes- und Bundesebene. Es brauche eine Familienpolitik, die Kindern und Eltern echte Priorität einräumt, eine verlässliche Finanzierung für Kitas statt ständig neuer Aufgaben ohne ausreichende Gegenfinanzierung und Rahmenbedingungen, die jungen Familien Zuversicht statt Sorge vermitteln. Nur dann könne sich die demografische Entwicklung wieder zugunsten der Kinder drehen.
Dialogangebot an die Eltern und ein klares Signal
Trotz der harten Realität wirbt Mihaly-Anastasio um das Gespräch. „Ihr könnt euch an uns wenden, wir sind Eure Stadträte, fragt uns einfach“, sagt sie an die Eltern gerichtet. Die Konservative Mitte nimmt die Sorgen und die Wut der Familien ernst, auch wenn viele an diesem Punkt keine Tabellen und Prognosen mehr hören wollen. Es gehe um den Alltag der Familien, um die Bindung zu vertrauten Erzieherinnen und Erziehern und um den emotionalen Ort, an dem Kinder einen großen Teil ihres Tages verbringen. Und genau deshalb bietet die Stadtverwaltung auch an, dass die Gruppen – Kinder und Erzieher – gemeinsam die Einrichtung wechseln und damit die gleiche Betreuung nur an einem anderen Ort stattfinden kann. Auch das sei ein Beweis für eine grundsätzlich kinderfreundliche Grundhaltung der Stadtverwaltung.

Kita-Schließungen sind ein Alarmzeichen. Sie zeigen, wie dringend Deutschland wieder zu einem Land werden muss, in dem Kinder selbstverständlich willkommen sind und in dem junge Menschen nicht sagen: „In dieses Land, in dieser Unsicherheit setzen wir keine Kinder mehr in die Welt.“
